20. Juli 2020
Im Überblick: Sensory Profiling & Corona

Wie es isi gelang, Sensoriktests während der Corona-Krise nahezu nahtlos vom Labor in das Zuhause der Testpersonen zu überführen. Teil1: Sensory Profiling (die Arbeit mit den Panels)

Als es Mitte März 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie zu Kontaktbeschränkungen kam, mussten auch bei isi die Projekte kurzfristig stoppen. „Wir haben uns sofort als isi-Team zusammengesetzt und Alternativen geplant“, berichtet Annika Ipsen, Senior Manager bei isi und zuständig für die Arbeit mit sensorischen Test-Panels. Das Team entschied sich, die laufenden Projekte so umzuplanen, dass sie entweder zuhause bei den Prüfenden stattfinden konnten oder in einer mobilen Testkabine mit jeweils nur einer Testperson. Nach einer Woche stand das Konzept und sofort starteten auch die Sensoriktests wieder. Was als Notlösung geboren wurde, entpuppte sich in den folgenden Wochen als Erfolgsstrategie, die isi nicht nur neue Ideen, sondern auch neue Kunden brachte.

In diesem Kurzvideo erklärt Annika Ipsen den Umstellungsprozess.

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Sensoriktest zuhause
Sensoriktest im Wohnzimmer. Panellisten schickten Fotos von ihrem Testumfeld. So erhielt das isi-Team einen guten Eindruck von der Test-Atmosphäre.

 

Das neue isi Drive-In

Aber von Anfang an. „Wir haben uns überlegt, wie wir die strengen Hygienevorgaben und Abstandsregeln einhalten und gleichzeitig eine Situation schaffen, in der unsere Testpersonen – in der Regel ein Panel aus rund 12 bis 15 Menschen – die Produkte so standardisiert wie möglich testen können“, erinnert sich Annika. Die Lösung hieß, den Test vom Labor (Central Location Test, CLT) nach Hause zu den Panellisten zu verlegen. Doch vor der Umsetzung stand eine Reihe von logistischen Herausforderungen. Wie lassen sich Aufstriche, Heißgetränke, Eintopf und Co. ohne Geschmacksverlust und ohne Gefährdung der Menschen, die die Produkte transportieren, zu den Prüfenden bringen? Das isi-Team entschied sich dafür, die Panelisten zur kontaktlosen Abholung in das isi-Labor kommen zu lassen. So bereitete das isi-Team beispielsweise Proben von Milchprodukten in der Laborküche vor, verpackte sie und fügte noch all das hinzu, was für eine Sensoriktestung notwendig ist, etwa Besteck, Tabletts, Gläser, sowie Wasser und Toastbrot zum Neutralisieren. Dabei hielt das Team alle coronabedingten Schutzauflagen – von Masketragen bis Abstandhalten – ein.

Vom Labor ins Wohnzimmer

Zuhause erstellten sich die Testpersonen mit dem isi-Paket ein individuelles „Home-Labor“. „Bei der Planung hat uns natürlich geholfen, dass wir bereits Erfahrung in der Durchführung von sogenannten Home Use Tests besitzen“, erklärt Annika Ipsen. Allerdings unterscheiden sich Home Use Test (HUT) und Labortest sowohl in ihrem Zweck und in auch im Design. So dient der klassische Home Use Test etwa dafür, Produkte zu testen, bei denen es wichtig ist, dass sie im häuslichen Umfeld erprobt werden. Schmeckt das Familieneis auch abends beim Fernsehschauen? Duftet das Waschmittel auch noch gut, wenn die Wäsche aus dem Trockner kommt? Im Labortest geht es dagegen darum, das Produkt ohne Ablenkung und unter standardisierten Bedingungen zu testen, um auch kleinste Unterschiede zwischen Produktvarianten erkennen zu können. „Die Umsetzung des Labortests im Wohnzimmer unserer Panelisten war daher schon etwas Neues für uns“, betont Annika Ipsen.

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Limonadentest
Im isi-Labor werden die Proben portioniert, verblindet und codiert, um sie transportfertig für den In Home-Test zu machen.
 

 

Keine Unterschiede zum Lab-Test

Kaum waren alle logistischen Anforderungen geklärt, stand daher eine bedeutende Frage im Raum: Woher wissen wir, ob die Ergebnisse der neuen In-Home Tests ebenso gut sind wie die Ergebnisse der klassischen Lab-Tests? Für eine Antwort kam der Zufall zur Hilfe. So war gerade ein Sensoriktest mit Milchprodukten angelaufen und die Panellisten hatten die Probenvariationen bereits ein erstes Mal im Labor getestet. Bei isi werden die Labortests in der Regel zweimal wiederholt, um die Replizierbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen. Coronabedingt fand nun die Messwiederholung bei den Panelisten im Wohnzimmer statt. „Wir haben die Ergebnisse verglichen und fanden bis auf minimale Abweichungen keine bedeutsamen Unterschiede“, berichtet Annika Ipsen. Die Abweichungen betrafen das Aussehen und die Textur des Produkts und sind vermutlich der Tatsache geschuldet, dass im Wohnzimmer im Gegensatz zum isi-Labor Raumtemperatur und Lichtverhältnisse nicht standardisiert sind und dass mehr Zeit von der Zubereitung bis zum Verzehr verstrichen war. Die Abweichungen spielten jedoch für die erfolgreiche Differenzierung der Produktvarianten keine Rolle. Annika Ipsen und ihrem Team fühlten sich bestätigt. Zwar waren sie davon ausgegangen, dass der Wechsel vom Labor ins Wohnzimmer glücken würde, doch eine Bestätigung durch eine statistische Analyse schaffte noch mehr Sicherheit. Die Analyse wurde bereits in der Fachzeitschrift DLG-Expertenwissen (4/2020) veröffentlicht.

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Die Analyse zeigte, dass die Unterschiede zwischen Labor und In Home Test so gering sind, dass für die Testauswertung nicht ins Gewicht fallen.

 

Mobile Testkabine schließt Lücken

Während sich viele Sensoriktests gut in das In Home Lab verlegen ließen, waren bei manchen Produkten die logistischen Hürden zu hoch. Das war etwa bei einem Kaffee-Projekt der Fall. Um acht verschiedene Kaffeeproben zu vergleichen, hätte man den Panellisten acht Kaffeemaschinen nach Hause schicken müssen. „Theoretisch möglich“, lacht Annika Ipsen, „aber praktisch nicht sinnvoll.“ Die pragmatische Lösung lag auf der Hand, beziehungsweise stand bereits im isi-Labor: die mobile Sensorik-Kabine. isi lud die Panellisten zur Verkostung einzeln in die Kabine, die sich gleich hinter dem Haupteingang der isi-Zentrale in Göttingen befand. So mussten die Panelisten nicht die isi-Räume betreten, eine kontaktlose Probenausgabe war gewährleistet, und die Kabine ließ sich leicht für den nächsten Gebrauch desinfizieren. Außerdem konnte isi mit dieser Lösung die strengen Auflagen für die standardisierte Zubereitung der Proben durch das Laborpersonal sicherstellen. „Das war aufwändig, aber für uns und unseren Kunden war es wichtig, den Test nicht aufzuschieben“, erklärt Annika Ipsen. Durch diese und weitere flexible Strategien (siehe auch das Interview mit isi Senior Manager Sven Henneberg) ist es isi gelungen, allen Kunden, die ihre Projekte nicht aussetzen wollten, eine Alternative anzubieten. Hinzu kamen Neukunden, die aufgrund von Ausfällen ihrer eigenen Testkapazitäten nach Anbietern suchten, die trotz Krise weiter testeten. Da isi alle Entwicklungen tagesaktuell und transparent per Social Media kommunizierte, waren Interessenten per Internet auf das Göttinger Unternehmen aufmerksam geworden.

 

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isi mobile sensory booth
Kreativ durch die Krise. Die isi Mobile Sensory Booth ermöglicht es, Menschen einzeln und an jedem Ort zu testen.

 

Die neue Normalität

Inzwischen hat sich in den isi-Testlaboren schon fast wieder Normalität eingestellt. Deutschland hat die strengen Auflagen gelockert und alle Panel-Tests finden wieder im Labor statt. Zwischen den Kabinen besteht nun ein Mindestabstand von zwei Metern und der Kontakt zwischen Panelist und Panel-Leitung findet digital statt. Was hat Annika Ipsen und das isi-Team mit in die Nach-Corona-Zeit mitgenommen? „Wir sind als Team noch weiter zusammengewachsen. Es hat mich einfach gefreut zu sehen, wie flexibel und kreativ unser Unternehmen auf Herausforderungen reagiert,“ berichtet die Senior Managerin, die seit acht Jahren für isi arbeitet. Die neuen Erfahrungen mit dem Home Lab-Test werden zudem in die Kundenberatung miteinfließen. Denn für manche Produkte kann der In Home-Test einen Lab-Test durchaus ersetzen. Das kommt auf das Produkt sowie die Fragestellung an und kann unter Umständen Kosten sparen. Und noch etwas ist Annika Ipsen wichtig: „Falls es nochmal, aus welchen Gründen auch immer, zu erneuten Einschränkungen kommen sollte, sind wir bei isi vorbereitet und können unseren Kunden sofort Alternativlösungen anbieten, die funktionieren.“

 

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credits: Fotos isi Archiv 2020

 

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